Zueri028

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Zuerimidgard

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Datum: 02.09.2014
Dauer: 4h
Spielleiter: Chris
Spieler: Hannes: Tharon (ZwPr Gr6), Muris: Landis (Wa Gr5), Verena: Morwyn (Gl Gr5), Lasse: Numerius Sulla (EBe Gr5)
Szenario: Der Singende Tod Episode 3: Kriegsgebiet
Beginn (Spielwelt): 09.02.09.2418
Ende (Spielwelt): 10.02.09.2418


Realwelt

Spielwelt

Aus den Reiseaufzeichnungen von Numerius Suller, Adept der Gilde des Elementarsterns zu Candranor:

09.02.09.2018 n.L.: Was Landis zu sehen bekam blieb auch uns kurz danach nicht erspart. In dieser Grenzfeste ist ein Massaker passiert. Es roch nach Tod und Verwesung, ein Fest für die Raben. Der gesamte Hof dieser kleinen bescheidenen Festung Eaglestone war übersäht mit toten albischen Soldaten. Wieder waren jene gezackten Wunden zu sehen, von was auch immer sie stammen. Erstaunlicherweise war kein Hinweis darauf zu sehen, dass auch der Feind, wir nehmen mal an, dass es sich dabei um Orks handelt, Opfer zu beklagen hatte. Dies war keine Schlacht gewesen: die angstverzerrten Gesichter der Toten sprachen von einer panischen Tragödie. Sehr schön Numerius, dies sollte eine Studienreise werden. Mir war ja bewusst dass die nördlichen Grenzregionen von nur begrenzter Staatlichkeit charakterisiert sein werden, aber dass es sich um eine Kriesenregion heissester Stufe handelt, das hat mir keiner gesagt. Laut Tharon waren die Soldaten nicht länger als einen halben Tag tot.

Die Gebäude, eine grosse Küchen- und Schlafbaracke, eine Schmiede, ein Stall und der grosse Bergfried, waren allesamt menschenleer. Weder lebende noch tote Soldaten. Tharon wunderte sich darüber sehr, nahm er wahrscheinlich richtig an, dass man in Panik eher Zuflucht in einem Haus suchen wird, als sich im Hof einem honffnugslosen Kampf zu stellen. Sehr faszinierend.

Im Bergfried wurde das Büro des Hauptmannes und ein Gästezimmer offensichtlich durchsucht worden, alles lag quer verteilt im Raum. Aus dem Wust an Pergamenten am Boden, probierte ich trotz der krakeligen Schrift des Hauptmannes zu entziffern, ob sich in der Buchführung der Feste Hinweise erlesen liessen. Nach einiger Zeit war mir klar, dass die Gesamtbesetzung der Festung 48 Soldaten betrug. 2 Spähtrupps sind in den letzten Tagen spurlos verschwunden. Zusammen mit der Anzahl der Toten im Burghof, mussten wir feststellen dass die gesamte Besatzung der Burg tot war oder zu einem der Spähtrupps gehörte, vermutlich also auch tot. Dann war da noch der Hinweis auf den Besuch einer zwergischen Botschafterin.

Dies wollte ich den anderen mitteilen und ging zurück in den Hof. Die andreren waren da schon in ein Gespräch mit zwei Zwergen vertieft, die durch den Eingang der Festung kamen. Ein jähzorniger rothariger Zwergenkrieger namens Thorbart Eisenfaust mit seiner sakralen Begleitung, dem Zwergenpriester Bett-Wie-Nal. Thorbart war offensichtlich der Vater der verschollenen Zwergenbotschafterin. Und da diese entweder entführt oder getötet wurde, musste jemand bluten. Tharon sprach in jedem fall ein paar „besänftigende“ Worte. Was wiederum Bett-Wie-Nal in Rage brachte. Da der aber, passend zu seinem Namen, eher das Temperament einer Valiumtablette hatte, war dies die bessere Wahl, als ein zorniger Thorbart.

Gerade lernte man sich kennen, da kam erneut jemand auf die Festung zu. Diesmal wieder etwa ein dutzend Orks mit einem Wagen. Wollten wohl die noch nicht geplünderten Gegenstände aus dem Bergfried bergen. Daraus wurde nichts, gestärkt durch die beiden Zwerge, nahmen die anderen die Verteidigung der Burg auf. Von der Zinne oberhalb des Turmes hatte man einen grandiose Sicht auf das Geschehen. Und da dies ein klassisches Melee ohne Fernkampfwaffen war, war ich hier oben sogar in Sicherheit. Landis fragte mich, ob es nicht angeraten sei, diesmal einen Gefangenen zu machen. Dies bejate ich, und half Landis einen der Orks am Boden festzufrieren, auf dass er ihn fesseln konnte. Aber dies war bei der Rage der Zwerge aussichtslos. Eisenfaust kannte keine Gnade gegen den erdgefesselten Ork und streckte ihn nieder. Nun, ich entschied mich nicht weiter einzugreifen, die Uebermacht unserer Seite war eh erdrückend. So hatte das etwas von einer candranorischen Arena auf den teuren Plätzen in der ersten Reihe. Was den Kampf auch noch zu unseren Gunsten beeinflusste, waren der Gesang und das Sackpfeifen des albischen Barden. In der Tat, ich muss sagen, fast hätte mich diese Musik dazu bewogen noch einmal heldenhaft in den Kampf einzugreifen, aber der Verstand siegte dann doch und ich blieb auf meiner überdachten Zinne.

Gegen meine Erwartungen gelang es doch noch einen Verwundeten zu befragen. Der stinkende Ork gurgelte aber nut etwas von „Ihm“. Aber wir erfuhren, dass die Zwergenbotschafterin wohl in der Tat entführt, und nicht umgebracht wurde. Zumindestens noch nicht. Die Orks gehörten übrigens alles zu einer Einheit, die durch schwarze Armbinden mit rotem Kreis, gekennzeichnet waren. Ersaunlicher weise war dieser Ork am nächsten Tag dann aber auch tot.

Langsam wurde es dämmerig, und nachdem das Adrenalin aus unseren Adern verschwand, roch man auch wieder den Verwesungsgestank. Es wurde über die Bestattung der Toten diskutiert. Da ich fremd in dieser Gegend bin, hielt ich mich aus dieser Diskussion raus. Unsere eigenen fulminanten Bestattungsriten wären in dieser kargen Gegend eh nicht praktizierbar. Man entschied sich schliesslich, morgen, kurz vor dem Aufbruch, die Toten zu verbrennen.

Wohin eigentlich aufbrechen? Thorbard Eisenfaust wollte seine Tochter finden. Robert Quintain zurück nach Twineward und Ian Mac Rathgar Bericht erstatten. Und wir wollten einen Heimstein. Das Ziel der Zwerge schien also eher in Richtung Heimstein zu gehen. Wir versprachen bei der Befreiung der Zwergentochter zu helfen und als Gegenleistung würde diese, eine gelehrte Zwergin, uns dann verraten in welcher Miene man so einen Stein bekommen könnte. Mir schienen die Zwerge vetrauenserweckend.

In der Nacht blieb es ruhig, nur Berindar, der junge Magier, träumte wieder von seiner befiederten Frau.

10.02.09.2018 n.L.

Am nächsten Morgen stand dann eine befiederte Frau vor dem Tor der Festung. Begleitet wurde sie von vier barbarischen Kriegern mit Stachelhaaren. Sahen aus wie aus dem Zirkus entlaufen. Aber ich will nicht werten, ich beobachte nur. Etwas scheu schienen die vier noch zu sein. Nur aus einiger Entfernung rief uns die Frau mit den Federn etwas zu. Dabei verdrehte sie die Augen sehr seltsam. Ihre Worte klangen sehr mystisch, wie aus einer Vision. Ich konnte leider nicht schnell genug mitschreiben, aber es kamen Wörter vor wie: Schillernde Käfer, düstere Schleck, dunkles Geloch, Stärkes Wut, dahin dein Magier, Trost nimmer dir Sein, gemeinsamer Feind. Beruhigend klangen diese Worte nicht. Dann wurde auch noch was von einem tödlichen Gesang erzählt. Mir kam die berühmte Erzählung von Ulyseus, dem Chryseischen Seefahrer in den Sinn, der von singenden Hexen vom Kurs abgebracht wurde. In der Geschichte konnte man sich mit Wachs in den Ohren vor dem Gesang schützen. So wappnete sich auch hier ein jeder mit etwas Wachs.

Erst auf den Vorschlag des Söldnerhauptmannes kamen die Barbaren in die Festung und man beratschlagte. Die Federfrau war eine Schamanin aus dem Volke der Clanngadarner und hies Mörgwyn ap Schubert. Ich will hier einwerfen, dass Clanngadarner ein ziemlich grober Sammelbegriff ist. Die identiätsstifende Wirkung dieser Volksgemeinschaft ist als eher gering zu beurteilen. Wieder muss ich hier den Begriff der Nichtstaatlichkeit erwähnen.

Wie dem auch sei. Der Söldner Merwyn, die Schamanin Mörgwyn und die Diebin Morwyn sassen nun also mit den anderen zusammen im Besprechungszimmer des Burgfieds und beratschlagten. Mörgwyn wollte Rache für Ihresgleichen, die Orks hatten ihr ganzes Dorf in Ihrer Abwesenheit niedergemetzelt. Ein ganzes Dorf, eine ganze Festung, hier herrschte Krieg, offener und heisser Krieg, dieses Wort beschreibt es am besten. Robert Quintain et al werden geschwind nach Twinward zurück, was zu verstehen ist. Die Zwerge wollen die Tochter Eisenfausts´ finden. Wir wollen einen Heimstein in den Mienen der Gegend finden. Die Barbaren wollen Rache an den Orks. Das mit der Rache scheint mir unberrechenbar. Aber zumindestens stehen wir alle auf der gleichen Seite. Mit den Zwergen haben wir eine win-win Situation. In einer wohlgeplanten Search and Rescue Operation werden wir die Zwergenbotschafterin aus den Fängen der Orks befreien. Die Barbaren werden uns erstmal begleiten, zusammen ist man stärker gegen Patrouillen der Orks, ausserdem haben sie die beste Orskenntiss, ihr Dorf ist nur ein paar Kilometer entfernt. Der junge Magier Berindar (der ja etwas verliebt in die Federfrau zu sein scheint) und sein Freund der Barde, schliessen sich nach enigem Zögern auch an, tiefer in das Kriegsgebiet einzudringen.

Gegen Mittag dann Aufbruch in Richtung des Dorfes der Schuberts und Verabschiedung von Robert Quintain sowie seinen Söldnern und Wagenlenkern. Die brennenden Toten sind noch weit zu sehen, bevor wir in das nächste Tal gelangen. Und dann wird mir die entsetzliche Grausamkeit dieses Krieges vor Augen geführt. Die Orks haben die Köpfe ihrer Opfer auf Spiesse gesteckt und diese obzönen Kunstwerke überall in Kreisen in der Landschaft verteilt. Aber nein, die Schuberts erzählten mir, dass das eine uralte Tradition von Ihnen sein, dies sei ihr Schutzkreis. Leider hat er das Dorf nicht vor den Orks beschützt. Da sind mir meine eigenen Schutzkreise doch lieber. Sie nennen das Kopfmagie, ich nenne das finstere Dämonologie in primitivster Ausführung. Aber ich werte nicht, ich bin nur Beobachter.

Bald schon ist der Geruch von verbranntem in der Luft. Vor uns liegt das halb ausgebrannte Dorf der Schuberts. Ein Ringpallisade umgibt es (auch die hat offensichtlich nicht geholfen), aber bewohnt sah es nicht mehr aus. Ueberall Krähen Tod, Krieg, Verderben. Das Massaker der Festung potenziert und wieder zackige Wunden. Einige der Orks scheinen immer noch im Dorf zu sein, bemerkt hat uns augenscheinlich noch keiner. So nutzt Landis den Uberraschungsmoment, und schiesst einem der Orks aus guter Entgernung ins Herz.